Akzeptanz von neurozentriertem Fußballtraining

Inhaltsverzeichnis

Du bist mit deiner Mannschaft auf dem Platz und machst zum ersten Mal eine Übung mit kognitiven Aufgaben. Du stellst Rechenaufgaben und hast als Regel festgelegt, dass Deine Spieler bei einem geraden Ergebnis mit Links und bei einem ungeraden Ergebnis mit Rechts aufs Tor schießen müssen.

Am Spielfeldrand stehen an diesem sonnigen Freitagnachmittag einige Eltern und auch der Vorstand, der zufällig da ist, weil er sich mit Bekannten im Vereinsheim trifft.

Deine Spieler haben überwiegend Spaß, aber der ein oder andere stellt motzig fest: „Ich bin doch hier nicht in der Schule!“.

Nach dem Training wollen, wie immer, noch ein paar Eltern ihre Tipps und Tricks loswerden und Dir erklären, wieso ihr Sohn am Sonntag beim Turnier auf einer anderen Position spielen sollte. Dabei lässt ein Vater durchklingen: „Die Kinder sollen richtig Fußball spielen. So ein Zeug gab es bei uns früher nicht!“

Solch ein Szenario ist natürlich unangenehm und kommt in diesem Ausmaß selten vor. Nichtsdestotrotz sind solche oder ähnliche Äußerungen von Spielern oder Eltern Teil der Realität und decken sich mit den persönlichen Erfahrung von Trainern, die Soccerkinetics in ihrem Teamtraining anwenden. Vielleicht bist Du auch schon einmal auf eine ähnliche Situation gestoßen, seitdem Du in Deinem Training Inhalte von Soccerkinetics eingebaut hast und wusstest nicht genau wie du damit umgehen sollst.

Gründe für die fehlende Akzeptanz von neurozentriertem Fußballtraining

  • Es ist neu

    Für die meisten Menschen ist diese Art des Trainings neu. Sie sind seit Jahren mit der klassischen Herangehensweise vertraut und haben damit womöglich auch gute Erfahrungen gemacht. „Never change a winning team“ ist hier die Devise, welche für Skepsis gegenüber dem Neuen sorgt und gleichzeitig an klassischen Trainingsmethoden festhalten lässt. Daher muss das Neue erstmal erfahren werden und sich dann auch Beweisen, um eine Veränderung einzuleiten.

  • Fehlendes Wissen

    Wer sich mit neurozentriertem Fußballtraining beschäftigt, dem ist klar: Das funktioniert super! Wer bisher keinen Zugang zu dem Thema hatte, der kennt den aktuellsten Stand der Wissenschaft nicht und weiß deshalb nicht, wie und wieso neurozentriertes Fußballtraining so effektiv ist und welche Vorteile es für Fußballspieler hat.

  • Mangelnde Erfahrungswerte

    Der ein oder andere wird auch trotz des Wissens noch immer skeptisch sein. Dieser Typ Mensch braucht die positive Erfahrung und muss mit eigenen Augen sehen, wie sich die Spieler durch neurozentriertes Training verbessern. Aber auch jemand, der kein Wissen hat, lässt sich durch positive Erfahrungen überzeugen.

  • Vorbilder

    Im Sport ist es häufig so, dass die Trainingsmethoden der Profis sich mit der Zeit auch im Amateursport durchsetzen. Doch aktuell haben die wenigsten Menschen ihre Vorbilder beim Einsatz von neurozentrierten Trainingsmethoden gesehen. Die Menge an Medienbeiträgen ist dafür bisher noch zu gering, aber Beispiele gibt es im Profi-Fußball schon genug

Anja Mittag beim Soccerkinetics Training:

© Soccerkinetics

Wie erlange ich die Akzeptanz von neurozentriertem Fußballtraining bei meinen Spielern?

  • Das Wichtigste zuerst

    Natürlich sollte das Training Deinen Spielern viel Spaß bereiten. Dafür kannst du Deine Übungen vielfältig und abwechslungsreich gestalten. Durch diese variantenreiche Trainingsgestaltung schaffst du ständig neue Reize, indem herkömmliche Übungen in den Bereichen Dribbling, Jonglieren, Passspiel und Torschuss mit neurozentrierten Aufsetzern kombiniert werden. Diese neurozentrierten Aufsetzer können sich in technischer, kognitiver, koordinativer und visueller Dimension widerspiegeln. 

  • Die richtige Herausforderung bieten

    Die Übungen sollten Deine Spieler in gewissem Maße herausfordern, sodass sie schnell Fortschritte erzielen und diese auch bei sich selbst bemerken können. Mit Soccerkinetics Training schaffst Du es, Deine Spieler an ihre Leistungsgrenze und darüber hinaus zu bringen. Durch das Setzen von verschiedenen Reizen sind die Übungen perfekt an das Niveau des Spielers oder der Mannschaft anpassbar. Zudem werden Deinen Spieler oder Deiner Mannschaft konkrete Entwicklungspotentiale aufgezeigt, wenn sie sich an ihrer technischen, kognitiven, koordinativen oder visuellen Leistungsgrenze befinden.

  • Reflexion der Übungen

    Frage Deine Spieler am Ende einer Übung was ihnen gut gelungen ist und wo sie im Vergleich zum letzten Mal besser geworden sind. Dabei eignen sich diese Fragestellungen optimal, um beispielsweise im Dialog gemeinsam über die Trainingsschwerpunkte dieser Übung zu sprechen und den Transfer zu realen Spielsituationen herzustellen. Somit schaffst Du Transparenz und legst Deine Trainingsabsichten offen.

  • Kein langes Fach-Chinesisch

    Gerade die jüngeren Kinder und Jugendliche brauchen keine tiefgründige fachliche Erklärung zum theoretischen Hintergrund. Dabei solltest Du darauf achten, das Training nicht zu kompliziert zu machen. Soccerkinetics Training ist komplex, aber nicht kompliziert. Kompliziert wird es dann, wenn beispielsweise einzelne Übungen extrem erklärungsbedürftig sind oder Du zu viele verschiedene Regeln oder Vorgaben in Deine Übung einbaust. Achte darauf, dass Du die Übungen einfach und prägnant erklärbar sowie ausführbar sind. Durch die Kombination mit verschiedenen Aufsetzern kannst Du dann die Komplexität steigern.

  • Beispiele aus dem Profisport einbringen

    Erkläre Deinen Spielern, dass Profis wie Manuel Neuer oder Jamal Musiala neurozentriertes Training für sich nutzen, um die Besten auf ihrem Gebiet zu sein. Vielleicht findest Du sogar spannende Videos, wie Profi-Sportler neurozentriert trainieren und kannst diese mit Deinen Spielern teilen. Dabei eignen sich Profis herausragend, um Nachahmungseffekte durch den Vorbildstatus bei Deinen Spielern oder Deiner Mannschaft hervorzurufen. Hier findest du einen Artikel mit dem Neuroathletik-Trainer von Musiala.

    Mittlerweile beschäftigt sich auch der DFB mit dem Thema und publiziert dazu auch eigene Untersuchungen aus der DFB-Akademie auf deren Home-Page.

  • Assessments

    Durch Assessments und Vorher/Nachher-Tests lassen sich bei Deinen Spielern oder Deiner Mannschaft starke Aha-Effekte kreieren, indem untersucht wird, welche Effekte die Trainingsreize unmittelbar auf das Nervensystem der Trainierenden haben. Um einen Eindruck zu hinterlassen, kannst Du beispielsweise Deine Spieler auf die Beweglichkeit in der Rumpfbeuge testen, mit ihnen ein paar Neuro-Drills durchgehen, um ihnen dann im Nachher-Test die Wirksamkeit von neurozentriertem Training aufzeigen. Hierfür kannst Du natürlich auch andere Tests und die passenden Übungen wählen.

Wie erlange ich die Akzeptanz von neurozentriertem Fußballtraining bei den Eltern?

  • Auf die Begeisterung der Kinder verweisen

    Da Eltern immer nur das Beste für ihr Kind wollen, solltest du zuerst sicherstellen, dass die Kinder beim neurozentrierten Fußballtraining richtig viel Spaß und positive Erfahrungen erleben. Auch den kritischsten Papa kannst Du durch die Begeisterung seines Kindes abholen.

  • Verbesserung der schulischen Leistung

    Ja, da hast Du richtig gehört! Durch neurozentriertes Training verbessern sich die exekutiven Funktionen, welche wiederum maßgeblich die Leistung in Fächern wie Mathematik beeinflussen. Dies konnte in der Studie von Egger et al. aus dem Jahre 2019 durch eine positive Korrelation zwischen den exekutiven Funktionen und der schulischen Leistung gezeigt werden. Auch Prof. Dr. Klaus Roth von der Universität Heidelberg sieht die exekutiven Funktionen als entscheidenden Faktor für den Schulerfolg. Wenn Du mehr über die exekutiven Funktionen wissen willst, schau doch mal in unseren Blogartikel.

  • Einfach durchziehen

    Im Grunde sollten Dich die Meinungen der Eltern nicht davon abhalten, dass Du Dein Training so gestaltest, wie es nach Deiner Überzeugung am besten ist. Ziehe Dein Vorhaben einfach durch und gewinne auch die letzten Eltern mit der Zeit und den Fortschritten der Kinder.

Wie erlange ich die Akzeptanz von neurozentriertem Fußballtraining im Verein?

  • Beispiele aus dem Profibereich

    Auch bei Kollegen und Vorgesetzten im Verein kannst Du das Beispiel der Profispieler anbringen, denn was im Profibereich umgesetzt wird, wird auch liebend gerne im Breitensport kopiert.

  • Theoretisches Wissen

    Es hilft sicherlich auch, wenn Du dich tiefer gehend mit dem theoretischen Hintergrund beschäftigst und daher bei Fragen ausreichend erklären kannst, wieso neurozentriertes Fußballtraining so effektiv ist und welche Vorteile es mit sich bringt.

  • Praktische Erfahrung anbieten

    Lade Deine kritischen Kollegen doch einfach mal zu einem Deiner Teamtrainings ein, das du gut vorbereitet mit neurozentriertem Schwerpunkt durchführst oder veranstalte ein Training mit den anderen Trainern, bei dem sie die Übungen unter Deiner Anleitung selbst testen können.

  • Soccerkinetics Coach Zertifizierung

    Hier ist ein ganz klarer Pluspunkt, wenn Du bei unserer 3-tägigen Trainerausbildung warst und Dich dort intensiv mit Theorie und Praxis auseinandergesetzt hast. Solche Fortbildungsmaßnahmen und das Zertifikat, welches Du erhältst, wirken bei Vorstand und Trainerkollegen und unterstreichen Deine Kompetenzen im neurozentrierten Fußballtraining.

Nun hast Du eine Reihe von Möglichkeiten kennengelernt, mit denen Du die Akzeptanz von neurozentriertem Fußballtraining in Deinem Umfeld erlangen kannst.  Aus diesem Topf solltest du die zu deinem Gegenüber passenden Dinge schöpfen, wann immer Skepsis oder Fragen aufkommen. Wenn Du dabei auf einen sachlich analytischen Kollegen triffst, solltest Du eher auf theoretisches Wissen zurückgreifen. Hast Du hingegen ein eher emotionales Elternteil vor Dir, dann bleibe eher auf der Gefühlsebene und hole die Person über den Spaß und die Begeisterung ab.

Diese Onlineartikel berichteten bereits zum Thema "Neuroathletiktraining"

Spieler, Eltern  und Kollegen aus dem Verein – damit hast Du einen Fahrplan, wie Du die Akzeptanz aller Personen in Deinem direkten Umfeld für neurozentriertes Fußballtraining gewinnen kannst.

Schreib uns, welche Personengruppen Du außerdem noch überzeugen möchtest!

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Wir wünschen dir viel Erfolg!

Dein Soccerkinetics Team

Wissenschaftliche Quellen:

Egger, F., Benzing, V., Conzelmann, A., & Schmidt, M. (2019). Boost your brain, while having a break! The effects of long-term cognitively engaging physical activity breaks on children’s executive functions and academic achievement. PloS one, 14(3), e0212482.

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