Differenzielles Lernen Fußball

Einschleifen verhindert effektives Techniktraining im Fußball

Sportarten wie der Fußball sind durch spezifische Bewegungsabläufe gekennzeichnet. Diese Bewegungen können durch Techniktraining geschult werden. Um die Technik zu trainieren, gibt es zwei vorherrschende Lernmethoden:

  1. Das Einschleifen
  2. Differenzielles Lernen

 

Das Einschleifen im Fußball

Bei der klassischen Methode des Einschleifens erfolgt das Lernen einer Bewegung, indem der Spieler die zu erlernende Bewegung mehrmals hintereinander wiederholt. Dabei besitzt der Trainer eine gewisse Vorstellung wie die ideale Zielbewegung aussehen soll und versucht diese dem Übenden anhand von Feedback möglichst verständlich mitzuteilen. Die meisten Personen im Jugendbereich trainieren ausschließlich nach der Methode des Einschleifens.

Getreu dem Motto: "Was für mich selbst gut war, ist auch für andere nicht schlecht."

Das ist jedoch einer der größten Fehler, den Trainer generell begehen können. Betrachtet man das natürliche Verhalten eines Kindes, so ergibt sich ein völlig anderes Bild des Lernens. Bestes Beispiel hierfür ist das Laufen lernen. Dabei erfolgt das Lernen ausschließlich durch selbstständiges Probieren - eines der Grundprinzipien des Differenziellen Lernens.

Differenzielles Lernen im Fußball

Das differenzielle Lernen wird in Deutschland seit 1999 von Professor Wolfgang Schöllhorn geprägt. Schöllhorn ist Trainingswissenschaftler an der Universität Mainz und Begründer dieses bewegungswissenschaftlichen Ansatzes. Anfangs belächelt und teilweise noch heute als fragwürdig erachtet, gab es im Laufe der Zeit in vielen Sportarten positive Nachweise über die Wirksamkeit des differenziellen Trainings - auch im Fußball. Schöllhorn selbst erforschte die Effektivität unter anderem im Kugelstoßen und in einzelnen Techniken des Fußballs wie dem Torschuss oder Passen.

Die Überlegenheit des differenziellen Trainingsansatzes wurde u. a. im:

  • Volleyball (Römer, Schöllhorn, Jaitner & Preiss, 2009),
  • Sprint (Schöllhorn, Röber, Jaitner, Hellstern & Käubler, 2001),
  • Fußball (Schöllhorn, Sechelmann, Trockel & Westers, 2004)
  • Tennis (Ott, Burger & Lübbert, 2006)

nachgewiesen.

Unser Gehirn lernt mehr aus Differenzen, als durch ständige Wiederholungen. Es ist in der Regel der neue Teil einer Bewegung, der für den Lernfortschritt sorgt.

In Bezug darauf stützt sich der differenzielles Lernen auf zwei Grundannahmen:

  1. Bewegungen unterliegen ständigen Schwankungen und können nicht exakt wiederholt werden. Jede Bewegung ist anders, auch wenn wir glauben, wir würden sie genauso ausführen wie die vorige.
  2. Bewegungen sind in hohem Maße individuell. Das bedeutet, dass sich niemand auf die gleiche Weise bewegt wie ein anderer Mensch. Das lässt sich bei den besten Fußballern feststellen. Ronaldo & Messi – beides hervorragende Fußballer, aber doch völlig unterschiedlich in ihren Bewegungen.

Dementsprechend ist es beispielsweise ineffizient, Spielern ein starres Technikbild aufzuzwingen. Es gibt nicht den perfekten Schuss. Betrachten wir die Vielzahl an Störungen die während einer Aktion im modernen Fußball durch Ball, Gegner, Rasen und eigene Bewegungen auftreten können, so wird deutlich, dass eine identische Situation nahezu unmöglich ein zweites Mal auftreten wird

Differenzielles Lernen wissenschaftlich überprüft

Das Resultat aller Studien: Differenzielles Training ist dem klassischen Einschleifen überlegen. So ließen beispielsweise Untersuchungen beim Torschuss oder Kugelstoßen den Schluss zu, dass nicht nur während der Trainingsphasen besser gelernt wird, sondern auch nach der Trainingsphase weitergelernt wird, obwohl gar kein Training mehr stattfindet. Die Forscher führen diesen Prozess darauf zurück, dass das Gehirn sich trotz Abschluss des Trainings weiter mit der Findung einer optimalen Lösung beschäftigt.

2014 veröffentlichten japanische Wissenschaftler eine Studie, in der die Strukturierung der Gehirne von Topspielern wie Neymar untersucht wurden. Interessanterweise konnten die Forscher einen Zusammenhang zwischen motorischen Fertigkeiten und dem Lernen durch Differenzen feststellen.
(Naito & Hirose, 2014)

Differenzielles Torschusstraining ist klassischem Torschusstraining überlegen!

In einer Untersuchung von Trockel und Schöllhorn (2003) wurde am Beispiel des Torschusstrainings der klassische Trainingsansatz mit dem differenziellen Trainingsansatz in Bezug auf ihre Effektivität verglichen.  

  • 20 Verbandsligafußballer 
  • Zwei Gruppen – Traditionell & Differenziell 
  • 6-wöchiges Torschusstraining 
  • 12 Trainingseinheiten 

Bei der Gruppe „Differenziell“ wurden verschiedene Bälle für das Torschusstraining genutzt. Insgesamt wurden bei der Gruppe „Differenziell“ in den zwölf Trainingseinheiten Variationen bei den Einflussfaktoren durchgeführt, die im klassischen Sinnen für einen optimalen Treffpunkt des Balles entscheidend sind. Neben verschiedenen Bällen wurden beispielsweise auch die Stand- und Schussbeinpositionen sowie die Haltung der Arme und des Oberkörpers dynamisch variiert.  

Vor und nach der 6-wöchigen Trainingsphase wurde von beiden Gruppen die Torschussleistung gemessen. Dafür wurde ein Tor in unterschiedliche Trefferzonen unterteilt, die mit einer Punktzahl von 1 bis 6 belegt waren. Auf das Tor gaben die Probanden insgesamt 35 Torschüsse aus einer Entfernung von 16 m ab.   

Zusätzlich erfolgte 15 Monate nach der Intervention ein dritter Torschusstest, wo ebenfalls nochmals beide Gruppen verglichen wurden.  

Jetzt wird’s spannend. So haben die beiden Gruppen abgeschnitten:  

Differenzielles Lernen Testergebnis der traditionellen und der differenziellen Gruppe

Zusammenfassung 

Da in beiden Gruppen Interventionen von 12 Trainingseinheiten durch denselben Trainer vorgenommen wurden, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die krassen Unterschiede der Trefferleistungen im Ausgangstest (Posttest) auf den differenziellen Lernansatz zurückzuführen sind. 

 

Wie läuft differenzielles Training konkret ab?

Im Vergleich zu den klassischen Ansätzen wird beim differenziellen Lernen der Begriff "Fehler" durch den Begriff "Schwankung" ersetzt. Im Hinblick darauf werden beim differenziellen Lernen Schwankungen in der Bewegungsausführung als notwendig betrachtet, um den Lernprozess optimal voranzutreiben. Im Idealfall erfolgt beim Training einer Technik bei jeder einzelnen Bewegung eine Veränderung. Dadurch wirst Du gezwungen, dich variabel auf neue Situationen einzustellen.

 

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Wir lernen vor allem dann Neues, wenn wir Dinge tun, die wir noch nicht können. Genau hier sind dann echte Weiterentwicklungen möglich. In diesem Prozess wird Dopamin ausgeschüttet, wodurch die Motivation steigt. Es gilt: „Das Gehirn lernt durch Abwechslung, nicht durch Wiederholung.

Hier kommt auch wieder der Einsatz von Variation bzw. Differenz ins Spiel. Wenn Fußballspieler dasselbe Spielgerät Tausende Male nutzen und damit dribbeln, passen sowie Tore schießen, werden sie vermutlich besser. Wenn dieses Training von Dribbling, Passspiel und Torschuss allerdings mit verschiedenen Bällen erfolgt, die immer wieder eine Herausforderung darstellen, dann werden sich die Ballsportler schneller verbessern.

So trainierst Du als Fußballer differenziell

Um sich differenzielles Lernen im Trainingsbetrieb zu eigen zu machen, können Schwankungen in verschiedene Situationen eingebaut oder in bestimmten Spielformen provoziert werden:

  • Variiere den Spieluntergrund (Rasen, Kunstrasen, Hartplatz oder Sand) – so lässt beispielsweise der FC Barcelona hin und wieder den Rasen kürzer schneiden, damit die Ballannahme und das Passen im Training erschwert wird
  • Nutze verschiedene Bälle (groß, klein, leicht, schwer)
  • Verwende in Passübungen ohne Gegnerdruck sichtbehindernde Hilfsmittel wie eine Augenklappe oder Rasterbrille
  • Trainiere auch mal barfuß
    • Damit kräftigst du nicht nur deine Füße und Gelenke, sondern trainierst auch gemäß dem Leitgedanken des differenziellen Lernens

Neben dem Einbau vieler verschiedener zusätzlicher Bewegungsaufgaben bildet vor allem der Soccerkinetics Ballsack mit 10 verschiedenen Bällen die Brücke zum differenziellen Lernen.

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Wir wünschen dir viel Erfolg.

Dein Alex Glöckle

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